Weisstannen - Projekt in Graubünden

Vor Arbeitsbeginn werden die Teilnehmer mit interessanten Referaten über Sinn und Zweck der anstehenden Arbeiten aufgeklärt. Von Links nach Rechts, Franco Cicerone, Präsident der Jägersektion Prättigau, Lorenz Casutt, Hegeobmann Sektion Prättigau, Heinz Guler, Wildhüter Jagdbezirk Herrschaft-Prättigau, Michel MaÏkoff, Regionalforstingenieur Region Herrschaft/Prättigau/Davos,Hans Wilhelm, Gemeindevorstand Seewis und der Initiator des Hegetages, Gemeindeförster Jürg Hartmann.   

Gemeindeförster Jürg Hartmann pflanzt unter der Mithilfe von Jägern eine Weisstanne im neu erstellten ‚Hordengatter’. Solche Gatterzäune aus Dachlatten haben sich bestens bewährt und sind für das Wild optisch besser erkennbar als Drahtgeflecht. Nach Erfüllung ihres Zwecks sind die Zäune erst noch „biologisch abbaubar“.  

Jägerkandidaten beim Erstellen eines Einzelschutzes. Auch der weibliche Jägernachwuchs „steht seinen Mann“ und packt tatkräftig mit an. Der Einzelschutz soll die gepflanzte Weisstanne die nächsten 20 Jahre vor Wildverbiss schützen.


 

 Die grössten Bäume des Schweizer Waldes sind Weisstannen. Zugleich ist dieser Baumriese, der bis zu 60 Meter hoch werden kann, als Jungbaum eine beliebte Verbisspflanze des Schalenwildes. Im Kanton Graubünden läuft dieses Jahr das vom Amt für Wald ins Leben gerufene Aktionsprogramm „Weisstanne“, bei dem auch die Bündner Jäger kräftig mit anpacken.

 

Gefährdete Hauptbaumart

Die Weisstanne kommt in Graubünden als Hauptbaumart in der oberen Bergstufe im Gürtel des Buchen-Tannenwaldes sowie des Tannen-Fichtenwaldes vor. Diese Stufe erstreckt sich ungefähr zwischen 700 und 1'600 M.ü.M. Die Zentralalpen liegen zu hoch und sind klimatisch zu kontinental, so dass sich die Weisstannenvorkommen in Graubünden in ein nördliches und ein südliches Areal aufteilen. Junge Weisstännchen werden vom Wild besonders gerne gefressen und bei übermässigem Verbiss leidet die natürliche Verjüngung, oder fällt im Extremfall total aus. Dabei kommt der Weisstanne als Pfahlwurzler eine besondere Bedeutung zuteil, sichert sie doch besonders in steilen Berglagen die Stabilität des Bodens. Auch ist sie nicht auf dieselben Schadorganismen anfällig wie die Fichte. Somit reduziert sich die Gefahr eines Massenbefalls, z.B. des Borkenkäfers, bei entsprechender Durch- mischung der Nadelwälder mit Weisstannen. Im Hinblick auf den bevorstehenden Klimawandel ist das Vorhandensein von Weisstannen auch deshalb von besonderer Bedeutung.  

 Jagd und Forst mit einem gemeinsamen Ziel

 Mit dem Aktionsprogramm Weisstanne setzen sich der Graubündner Forstdienst, dasAmt für Jagd und Fischerei und der Bündner Kantonale Patentjäger Verband (BKPJV)gemeinsam für die Weisstanne ein. Mit gezielten Massnahmen sollen die Weisstannenbestände verjüngt und gefördert werden. Anlässlich von Hegetagen werden durch Jäger und Jagdkandidaten Schutzmassnahmen für junge Weisstannen getroffen. Zudem können die Jägersektionen Patenschaften, die durch das Amt für Wald finanziert werden, für junge Weisstannen übernehmen. So setzen sich die Jäger selbst mit der Bedeutung der Weisstanne - aber auch mit der Aufgabe der Jagd -auseinander. Denn neben der Hege lässt sich nur durch eine geregelte und nach wildbiologischen Grundsätzen durchgeführte Jagd ein Gleichgewicht zwischen Lebensraum und Schalenwild herstellen. Diese Aufgabe erfüllt und garantiert der Bündner Jäger, so dass die Waldverjüngung mit standortgemässen Baumarten in der Regel ohne besondere Schutzmassnahmen aufkommt.

Hegetag in Seewis im Prättigau

Wie viele andere Bündner Jägervereine folgte auch die Jägersektion Prättigau dem Aufruf und organisierte unter der Führung des örtlichen Försters einen Hegetag in Seewis-Dorf zum Schutze der Weisstanne. Insgesamt 32 Jäger und Jagdkandidaten, Vertreter der Gemeinde sowie der örtlichen Wildhut fanden sich ende Mai beim Werkhof in Seewis ein. Als Arbeitsort diente ein traditioneller Wildeinstand von Rotwild mit gefährdetem Weisstannenbestand. Vor Arbeitsbeginn erfuhren  die Teilnehmer in einem ersten theoretischen Teil viel Wissenswertes über den Nutzen der Weisstanne und den Sinn von Schutzmassnahmen. Anschliessend wurden die Anwesenden in Arbeitsgruppen aufgeteilt, die in rotierendem Modus vier Posten zu absolvieren hatten. Im Vordergrund stand die Erstellung von Einzelschützen und sogenannten Hordengatterzäunen. Die Zäune sollen für die nächsten 20 Jahre den Schutz der jungen Tannen vor Wildverbiss gewährleisten. Ein weiterer Posten beschäftigte sich mit dem chemischen Wildschutz. Spätestens bei diesem Posten, wenn es galt Sämlinge oder Jungtannen zu suchen, fiel der Wildverbiss auf. Denn kaum ein Weisstännchen war nicht verbissen und Jungbäume fehlten gänzlich. Die Bedeutung von Hecken und deren Pflege wurde den Interessierten durch den örtlichen Wildhüter bei einem weiteren Posten nähergebracht. Dass hier nur theoretische Informationen weitergegeben wurden ist verständlich, da die fortgeschrittene Jahreszeit die Brutzeit der Vögel tangierte. Bis zum frühen Nachmittag konnten vier Einzelschütze und zwei Hordengatterzäune erstellt und mit jungen Weisstannen bepflanzt werden. Daneben wurden mehrere Weisstannen mit chemischem Wildschutz behandelt und so vor Verbiss- oder Schälschäden geschützt. Das Amt für Wald entschädigt die Forstämter mit 300 Franken pro Einzelschutz, davon wird ein Drittel an die beteiligte Jägersektion abgeben. Mit einem Patronat können die Sektionen zusätzlich den Unterhalt der Zäune übernehmen. Die Jägersektion Prättigau wird mit der Übernahme eines solchen Patronats auch in Zukunft ihren Beitrag zum Schutze der Weisstanne leisten. Nach der Abschlussbesprechung und Besichtigung der ausgeführten Arbeiten kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Bei Speis und Trank, von der Gemeinde Seewis und der Sektion Prättigau gesponsert, fanden interessante Gespräche zum Thema Wild und Wald statt. Solche Aktions- resp. Hegetage sind nicht nur bezüglich der geleisteten Arbeiten sinnvoll, sondern fördern auch den Dialog und das Verständnis zwischen Forst und Jagd.  

Zurück